Biogas kämpft mit sich änderndem Ruf

Einst gab es einen regelrechten Biogas-Boom in Deutschland. Ausgelöst durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) nahm die Biogasnutzung zwischen 1992 und 2007 stark zu. Über 3.700 Biogasanlagen brachten es im letztgenannten Jahr auf eine installierte elektrische Leistung von etwa 1.250 Megawatt (MW). Galt diese Technologie lange Jahre doch als Hoffnungsträger der Energiewende, so sieht das mittlerweile anders aus. Zu viel Geld kostet die Branche, außerdem ist sie gesellschaftlich nicht gewollt.

Gewinnung von Biogas

Für die Erzeugung von Biogas bedarf es organischem Material wie beispielsweise Bioabfällen, Exkrementen von Nutztieren oder Pflanzenresten. Als bei der Verarbeitung besonders ergiebig erweisen sich Mais und Zuckerrübe, die daher auch als Energiepflanzen bezeichnet werden. In großen Gärbehältern, in welchen anaerobe Bedingungen herrschen, zersetzen viele verschiedene Mikroorganismen langsam die Biomasse, wobei Biogas gebildet wird. Idealerweise findet die Biogas-Erzeugung bei gleichbleibenden Temperaturen und ohne die Zufuhr von Licht und Sauerstoff statt. Die das organische Material zum Faulen bringenden Bakterien sind hinsichtlich der Auswahl ihrer Nahrung wählerisch, sodass darauf zu achten ist, dass die eingesetzte Biomasse nicht zu stark verunreinigt ist. Ansonsten können Störungen im weiteren Erzeugungsprozess auftreten. Holz ist als Ausgangsprodukt insofern nicht geeignet, als dass die enthaltene Cellulose unter anaeroben Bedingungen nur schwer abbaubar ist.

Biogas ist vielfältig nutzbar

Das gewonnene Biogas besteht neben Kohlenstoffdioxid, Wasser und anderen Inhaltsstoffen vor allem aus geruchlosem Methan, dessen Gehalt je nach Ausgangssubstrat zwischen 45 und 70 Prozent schwankt, und das entzündbar ist, sodass es entsprechende Motoren antreiben kann. Diese setzen schließlich Strom erzeugende Dynamos in Bewegung. Je höher der Anteil des Methans ist, desto höher ist die Stromausbeute. Neben elektrischer Energie wird bei der Verbrennung von Biogas auch Abwärme mit einer mit einer Temperatur von etwa 85 bis 90°C gewonnen. Eine Weiterverarbeitung des Biogases erfolgt daher hauptsächlich in Blockheizkraftwerken. Biogas lässt sich auch in das Erdgasnetz einspeisen. Hierzu ist es aber sehr wichtig, dass das Gas besonders rein, da sich eine kostenintensive Reinigung nicht rechnen würde. Auch als Treibstoff findet Biogas zunehmend Verwendung und lässt sich mittlerweile in vielen Erdgastankstellen in Deutschland in den Tank füllen.

Gärreste als hochwertige Düngemittel

Die bei der Erzeugung von Biogas anfallenden Gärreste enthalten zahlreiche humusbildende Stoffen und Nährstoffe, welche in getrockneter oder flüssiger Form für den Bodenschutz zum Einsatz kommen. Als organischer Dünger finden sie in der Landwirtschaft, im Gartenbau sowie in privaten Gärten Verwendung. Indem dem Boden die in dem Ausgangsprodukt enthaltenen Nährstoffe Stickstoff, Phosphor, Kalium sowie der organische Kohlenstoff zurückgegeben werden, wird der natürliche Nährstoffkreislauf geschlossen. Eine energetisch sehr aufwendige Erzeugung von mineralischem Dünger lässt sich damit ersetzen. Die Umwelt wird wesentlich weniger belastet. Insgesamt hat sich die Erzeugung von Biogas als eine sehr gute Alternative der natürlichen Energiegewinnung bewährt. In der Diskussion steht allerdings der in großem Umfang dafür notwendige Anbau von Energiepflanzen.

Biogas kämpft mit sich änderndem Ruf
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