Präzedenzfall? – Stadtwerke Gera stehen kurz vor der Pleite

In Thüringen haben die Stadtwerke Gera bereits Insolvenz angemeldet, genauso wie die Verkehrsbetriebe der Stadt. Laut der „Welt“ betrage der Schuldenberg der Stadtwerke Gera 220 Millionen Euro und die Mitarbeiter bekommen mittlerweile Insolvenzgelder gezahlt.

Projektleiter der Bertelsmann Stiftung, René Geißler, meint, dass einiges falsch gelaufen sei und die Insolvenz hätte vermieden werden können. In der Verantwortung soll sich seiner Meinung nach das Landesministerium als Kommunalaufsicht der Stadt befinden. Dieses verweigerte den Stadtwerken einen Kredit, und nun muss die Stadt an allen Enden sparen. Laut Geißler habe die Stadt Gera aufgrund von starker Schrumpfung, geringer Wirtschaftskraft und einem zu großen Anspruchsdenkens gefährdete Finanzen.

Es ist leider sehr wahrscheinlich, dass Gera nicht lange ein Einzelfall bleibt. Viele deutsche Stadtwerke könnten ihre Kommunen bald genauso belasten, denn viele Stadtwerke stehen bereits finanziell ähnlich schlecht da wie die Stadtwerke Gera. Einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger nach, die die 500 größten lokalen Energieversorger genauer unter die Lupe genommen hat, sollen sich unter den untersuchten Energieversorgern etwa 100 Stadtwerke befinden, die sogar noch schlechter dastehen, als die Stadtwerke Gera.

Als Grund wird die Energiewende angegeben, die den regionalen Versorgern große Probleme bereitet. Sie haben mit geringen Gewinnspannen in der Energieerzeugung zu kämpfen. Verantwortlich für diese geringen Gewinnspannen ist, dass die meisten Stadtwerke Energie auf konventionellem Weg mit Gas und Kohle produzieren, und mit den niedrigen Preisen der Solar- und Windkraftanlagen nicht mithalten können. Hinzu kommt die Eigenenergieversorgung von Betrieben und Privatleuten. Ihr Marktanteil sinkt dadurch erheblich, was auf lange Zeit möglicherweise in der Insolvenz enden kann.

Bild: pixabay.com

Präzedenzfall? – Stadtwerke Gera stehen kurz vor der Pleite
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2 Comments

  1. Christian Schröter
    21. August 2014 at 11:35

    Das verstehe ich nicht, wieso sind die Wind und Solar günstiger? Wie kann das die Insolvenz verursachen?

    Viele Grüße und besten Dank für die Hilfe.

  2. Christoph Konitzer
    21. August 2014 at 11:47

    Auf dieser Seite: http://www.neueenergie.net/wissen/bioenergie/solar-und-wind-schlaegt-kohle-und-atom wird genauer erklärt, warum Wind und Solar günstiger sind, und das sogar bis zu 50 Prozent. So sind zum Beispiel innerhalb der letzten Jahre die Vergütungssätze um rund 80 Prozent gefallen.
    Die Insolvenz kann unter anderem verursacht werden, da die Stadtwerke (die größtenteils Energie aus Kohle gewinnen) durch die günstigere Solar- und Windenergie unter immer stärkerem Wettbewerbsdruck leiden und die Nachfrage nach ihrer Energie abnimmt. Die Stadtwerke sind jedoch nicht in der Lage so schnell auf die erneuerbaren Energien umzurüsten und verzeichnen daher immer mehr Miese. Hat man konstant immer weniger Nachfrage, so kann das in eine Insolvenz führen.
    Ich hoffe das hilft dir weiter.