Ukraine: Panne in Atomkraftwerk stellt keine Bedrohung dar

Nach einer Panne im größten ukrainischen Atomkraftwerk Saporoschje versucht Kiew die Sorgen um einer größeren Katastrophe zu beschwichtigen. Laut dem ukrainischen Energieminister Wolodymyr Demtschyschyn sei es letzte Woche schon zu einem Kurzschluss im Stromverteilungssystem des dritten Blocks des Kraftwerks gekommen und nicht in der Produktion. Er behauptet, es bestehe „keine Gefahr“.

Experten sind alarmiert
Die Politiker der Grünen und Umweltschützer der Organisation Greenpeace sind da anderer Meinung. Die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl sagte zum Deutschlandradio Kultur: „Atomare Anlagen, die so dicht an Kampfgebieten liegen“ dürften nicht laufen. Außerdem findet sie, dass Kiew das wirkliche Ausmaß der Panne herunterspielt. Laut der Aussage des Greenpeace-Atomexperten Heinz Smital auf dem Nachrichtensender n-tv sei es neben dem Kurzschluss auch zu einem Brand gekommen. Er geht aber „nicht davon aus, dass dieser Unfall jetzt eskalieren wird“. Auch die Bundesregierung kontaktierte nach der Pannen-Nachricht umgehend die zuständigen Stellen in Kiew über die Gesellschaft für Reaktorsicherheit.

AKW Saporoschje und die Erinnerung an Tschernobyl
Das im Südosten der Ukraine liegende AKW gehört mit sechs Reaktoren zu den größten in Europa. Es liegt ca. 200 Kilometer westlich der umkämpften Rebellenhochburgen, was schon häufig von Umweltschützern kritisiert worden ist. 1986 war die Ukraine Schauplatz des größten Atomunfalls in der Geschichte. Durch die Explosion in Tschernobyl wurden große Teile in Europa und der damaligen Sowjetunion verstrahlt. So sind die Sorgen auch von Grünen-Politikerin Sylvia Kotting-Uhl nicht ganz unbegründet: Blickt man auf Tschernobyl und Fukushima zurück, ist es mittlerweile schon normal, dass in „eventuell schwerwiegenden Fällen meistens zu spät informiert wird“.

Ukraine ist auf Atomkraft angewiesen
Trotz der Aufregung – besonders in Deutschland, das derzeit den Atomausstieg plant – hatte der Vorfall Folgen für viele Bewohner des Landes. In der Region fiel überwiegend der Strom aus. Das AKW liefert etwa die Hälfte des in der Ukraine benötigten Stroms, den restlichen Teil liefern Kohle- und Gaskraftwerke. Diese können das Defizit durch die abgeschalteten Blocks des AKWs Saporoschje jedoch nicht ausgleichen. Zudem steht die Ukraine kurz vor einem Staatsbankrott und befindet sich im Konflikt mit prorussischen Separatisten, wodurch das Land weite Teile der Kohleregion Donbass verloren hat. Zusätzlich kündigte Russland Ende November an, die Belieferung der Ukraine mit Kohle einzustellen. Experten schätzen, dass dem Land für den Winter rund drei Millionen Tonnen Kohle fehlen werden und somit absolut anhängig von Atomenergie ist. Die Menschen in der Ukraine sind froh, überhaupt Strom zu haben.

Ukraine-Energieminister Demtschyschyn kündigte an, dass bis Freitag die Atommeiler wieder volle Leistung erbringen. Auch Kraftwerksbetreiber Energoatom entwarnt, dass seit der Panne keine erhöhte Radioaktivität ausgetreten sei.

 

Bild: pixabay.com

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