Erdölersatz: Start-Up will Biomüll zu Wasserstoff machen

Die Geschäftsführer des jungen Unternehmens H2 Patent aus Niedersachsen behaupten, dass es nur ein paar Jahrzehnte dauern soll bis Wasserstoff Kohle, Erdgas und Erdöl ersetzt. Mit ihrem neuen patentierten Verfahren zur Herstellung von Synthesegas aus feuchter Biomasse soll die „Wasserstoff-Revolution“ gelingen.

Der Plan von H2 Patent
Die Geschäftsführer Bernd Jöst, Hubertus Rau und Hayo Sieckmann nennen das thermochemische Verfahren „druckaufgeladene kaskadierte Wirbelschichtvergasung“. In einem Reaktor wird im unteren Teil die feuchte Biomasse auf 600 Grad Celsius erhitzt. Dadurch entsteht Synthesegas, eine Mischung aus Kohlenmonoxid, Wasserstoff und ein kleiner Teil Kohlendioxid sowie auch Kokspartikel. Das entstandene Gas schießt in den oberen Teil des Reaktors und reißt dabei Kokspartikel mit, die verbrennen. Mit einer Zusatzheizung kombiniert kommt es zu einer Temperatur von 850 Grad Celsius in der oberen Zone. Anschließend reagiert das Kohlenmonoxid bei einer Temperatur von 350 Grad mit Wasserdampf und es entstehen die Endprodukte Wasserstoff und Kohlendioxid. Beide Stoffe werden dann nach einer Reinigung des Gasgemischs getrennt. Das entstandene Kohlendioxid strömt zurück in die Atmosphäre. Pflanzen können dann das CO2 nutzen, um Biomasse zu bilden. Insgesamt findet hier ein klimaneutraler Prozess statt. Der Wasserstoff soll eine Reinheit von 99 Prozent haben, was für den Betrieb anspruchsvoller Brennstoffzellen ausreicht, die Wärme und Strom liefern.

Wasserstoff als Erdgasersatz?
Um den Wasserstoff zu verteilen, wollen die H2 Gründer das Erdgasnetz nutzen. Sollte sich dieser Plan umsetzen lassen, kann es in der Übergangsphase allerdings problematisch werden. Denn mehr als fünf Prozent Wasserstoff im Erdgas bereiten den Nutzern von Erdgasgeräten technische Probleme. Dennoch ist die Einspeisung ins Erdgasnetz möglich, was bereits andere Unternehmen vormachen. Beispielsweise vermischt der Energieanbieter Greenpeace Energy Wasserstoff zusätzlich mit Kohlendioxid zu Methan, woraus Erdgas entsteht, und verkauft ihn als „Windgas“. Sollte die Wasserstoff-Energieversorgung doch nicht so wie geplant ablaufen, kann das H2 Verfahren trotzdem genutzt werden. Denn mit dem Synthesegas ist es möglich, alle Arten von Treibstoffen herstellen zu lassen. Dies geschieht bereits in der Großforschungsanlage bioliq, die gerade in Betrieb genommen wurde. Sie erzeugt beispielsweise Benzin aus Stroh.

 

Quelle: WiWo Green
Bild:  pixabay.com

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