Energiewende im Bereich Wärme

Strom macht insgesamt lediglich 16 Prozent des Energieverbrauchs Deutschlands aus, trotzdem sind bei dem Thema Energiewende immer Begriffe wie „Strommarktdesign“ oder „Stromnetze“ in aller Munde. Dabei ist der Wärmesektor für über die Hälfte des deutschen Energieverbrauchs verantwortlich. Damit ist der Handlungsdruck aus verbraucherpolitischer und klimapolitischer Sicht im Wärmebereich deutlich höher als im Bereich Strom.

Diesen Handlungsdruck hat auch die Politik längst erkannt und sich hohe Ziele gesteckt. Das Ziel der Regierung lautet: CO2-Neutralität bis 2050 für den Gebäudebestand. Heißt so viel wie, dass bis 2050 die Wärmeproduktion komplett ohne Kohle, Erdgas und Öl gewährleistet sein soll. Doch bis jetzt geschieht nichts, was die Regierung diesem Ziel näher bringt.

In den letzten 20 Jahren sind die Heizkosten um etwa ein Drittel mehr gestiegen, als die Strompreise. Da ein Haushalt laut Wirtschaftsministerium im Durchschnitt etwa doppelt so viel fürs Heizen und warmes Wasser ausgibt wie für Strom, wird die Wärmestrategie auch immer Sozialpolitik sein. Bis heute wurde jedoch von der Politik keine Wärmepreisbremse gefordert.

Auch geopolitisch ist der Wärmesektor von Bedeutung. Die Importabhängigkeit wird zu Zeiten der Ukraine-Krise besonders deutlich. Dreht Russland in nächster Zeit tatsächlich den Gashahn zu, so müssten die Bürger für die Trägheit der Energiepolitik des Staates bezahlen. So ist es nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Hinsichtlich der Energiepolitik sind innerhalb Europas die Grenzen nicht mehr klar ersichtlich, was ein verbindliches und ambitioniertes Energieeffizienzziel im Zeitraum 2020 bis 2030 auf EU-Ebene umso wichtiger macht.
Berechnungen der Europäischen Kommission zufolge ist es technisch möglich bis 2030 ein Energieeinsparziel von 40 Prozent zu erreichen, dies langfristig gesehen sogar kostenneutral. Dadurch würde die Abhängigkeit von russischen Importen der Geschichte angehören. Unverständlich und vor allem unverantwortlich ist es daher, dass sich die Politik bis jetzt dermaßen querstellt. Zu mehr als 30 Prozent Energieeinsparung scheinen sich die europäischen Regierungs- und Staatschefs nicht überwinden zu können. Genau das wäre jedoch notwendig, und zwar einstimmig, da energiepolitische Fragen der Verantwortung der EU-Mitgliedsstaaten vorbehalten bleiben.

Nötig wäre eine Ausweitung der Förderungen energetischer Sanierungen. Kosten, die sonst Mieter oder Eigenheimbesitzer stämmen müssten, würden hierdurch abgefedert. Zusätzlich würden durch die vermehrten Sanierungen neue Arbeitsplätze entstehen und somit das Lohnsteueraufkommen steigern.

Doch nicht nur die Energieeinsparung, sondern auch wärmepolitische erneuerbare Energien sind von großer Bedeutung. Vor allem Solarthermie und Geothermie sollten eine bedeutendere Rolle innerhalb der Wärmestrategie einnehmen. Da durch die Ergänzung der Erneuerbaren im Bereich Wärme die energetische Sanierung nicht mehr allein den Beitrag für Energieeffizienz leisten muss, besteht hinsichtlich der Sanierungen geringerer Leistungsdruck. Außerdem wäre durch die Erneuerbaren im Wärmesektor im Gebäudebereich eine Klimaneutralität bis 2050 durchaus möglich und die Importabhängigkeit würde auch hierdurch deutlich zurückgehen. Sie bieten eine Perspektive für stabile Heizkosten.

Doch: bevor Wärme erzeugt wird muss die Verschwendung minimiert werden. Für Erneuerbare Wärme ist außerdem eine innovativere Wärmeinfrastruktur nötig. Relevante Akteure müssen von der Politik in die Pflicht genommen werden. Dadurch würden Anreize und Investitionssicherheit geschaffen werden, Verbraucher und Klima können profitieren.

 

Bild: pixabay.com

 

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